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Unborn Child Petition



Volume 12, Sonderausgabe

July 29, 2009

„Mit allen möglichen Mitteln das Leben verteidigen“ - Klarstellung von Bemerkungen über den Schutz des ungeborenen Kindes

By Piero A. Tozzi, J.D.

     (NEW YORK - C-FAM)  Am 15. Juli 2009 überraschte das italienische Parlament durch die Initiative zu einer Resolution der Vereinten Nationen, die zwangsweise Abtreibung verurteilen soll. Der Antrag wurde angeführt von Rocco Buttiglione, einem der bekanntesten katholischen Politiker Europas. Lebensrechtler applaudierten. Zwei Tage später wurden sie erneut überrascht, als Dr. Buttiglione der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ ein Interview gab, in dem er angeblich sagte, seine zurückliegende Unterstützung der Kriminalisierung von Abtreibung sei ein „Fehler“ gewesen, und dass er unterstütze, zusammen mit Politikern, die „für die freie Wahl“ (euphemistische Umschreibung einer Haltung zugunsten der Abtreibung, Anm. d. Übers.) seien, eine „gemeinsame Grundlage“ zu finden, die auf Reduzierung der Abtreibung ziele.
     
In diesem Exklusiv-Interview antwortet Dr. Buttiglione auf Besorgnisse der Lebensrechtler, stellt seine jüngsten Statements klar und erklärt die Bedeutsamkeit seines kürzlichen Siegs.

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Frage: Ihre kürzlichen Bemerkungen über Abtreibung haben großes Interesse hervorgerufen...

Antwort: Ein ganz großes Durcheinander! Versuchen wir, da Ordnung hineinzubringen...

Frage: Sehr gut. Sie hatten das Verdienst, dass Sie erfolgreich die Verabschiedung eines Antrags zum Thema Zwangsabtreibung koordinierten, der am 15. Juli im italienischen Parlament durchging. Könnten Sie bitte erklären, worum es in diesem Antrag geht und warum er so bedeutsam ist?

Antwort: Lassen Sie mich zunächst über die Situation des ungeborenen Lebens in Italien sprechen, um ein paar Hintergrundinformationen zu geben. In Italien hatten wir 1981 eine Volksabstimmung zur Abtreibung, und die Lebensrechtler verloren damals 68 zu 32 %. Es war eine schreckliche Niederlage. Sie müssen wissen, dass die Lage in Italien sehr verschieden von der in den USA war. In den USA wurde die Abtreibung den Amerikanern aufgedrängt durch das Urteil des Obersten Gerichtshofs im Fall Roe gegen Wade. Die Bevölkerung hat nie über Abtreibung abgestimmt. In Italien dagegen entschieden sich die Menschen frei für Abtreibung - eine furchtbare Niederlage für die Sache des Lebens.
   
In den darauf folgenden Jahren tobte ein großer Kampf, und die Situation besserte sich. Papst Johannes Paul II. hatte einen sagenhaften Einfluß auf die Kultur. Vor einigen Jahren hatten wir eine Volksabstimmung zur Bioethik, zur Embryonenforschung, die wir gewannen, wobei das keiner erwartet hatte - in der Tat haben nicht wir gewonnen, sondern der Heilige Geist! Nun wissen wir jedoch, dass, wenn wir noch einmal eine Volksabstimmung zur Abtreibung hätten, wir wieder verlieren würden. Nicht so schlimm wie im Jahr 1981, aber wir würden immer noch verlieren.
   
Andererseits, obwohl es in Italien keine Mehrheit für ein Abtreibungsverbot gibt, ist da eine Mehrheit, die meint, dass Abtreibung zu weit verbreitet sei und dass man etwas tun müsste, um Abtreibung zurückzudämmen.

Deshalb haben wir mehrere Initiativen unternommen. In einer davon ging es darum, wie spät eine Abtreibung durchgeführt werden kann. Obwohl wir rein philosophisch genau wissen, dass ein Embryo bereits ein menschliches Wesen ist, besteht kein Konsens darüber, dass Abtreibungen im frühen Stadium verboten werden sollten. Aber die Leute meinen, dass die Abtreibung eines Fötus, der mehr als 20 Wochen alt ist, inakzeptabel sei. So versuchen wir gerade, eine Resolution durchzubringen, die Abtreibung nach der 20. Schwangerschaftswoche verbietet.

Wir versuchen auch, die Bestandteile unseres geltenden Rechts zu erfüllen, die nützliche Bestimmungen zur Vorbeugung gegen Abtreibung enthalten.

Frage: Und die Aktion vom 15. Juli im Parlament?

Antwort: Das war jetzt der Hintergrund zu dem parlamentarischen Antrag vom 15. Juli. Machen wir den Versuch einer Resolution durch die Vollversammlung der Vereinten Nationen, die Abtreibung als Instrument der Bevölkerungskontrolle verbietet! Das ist eine Fortsetzung des Kampfes, den der Heilige Stuhl bei der Internationalen Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung 1994 in Kairo und bei der Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking geführt hat.

In einigen Teilen der Welt, besonders in China, ist Abtreibung mit Zwang verbunden, und man benötigt eine Erlaubnis, wenn man ein zweites Kind bekommen möchte. Aber auch in anderen Teilen Asiens, in Afrika und sogar in Lateinamerika sehen wir, dass Mütter erpresst werden. Da sind Programme, bei denen es heißt: „Wir geben euch Brot, aber nur, wenn ihr Abtreibung akzeptiert.“ So wird verfahren von UN-Behörden, die solche Programme finanzieren.

So war die Idee, warum sollten wir nicht eine UN-Resolution versuchen, die zu einem Verbot der Anwendung zwangsweiser Abtreibung aufriefe? Dies wäre eine Resolution, die jene, die „pro choice“ („für eine freie Wahl“, Abtreibungsbefürworter), und jene, die „pro life“ („für das Leben“, Lebensschützer) sind, vereinigt. Denn was in China geschieht, ist sowohl gegen die freie Wahl als auch gegen das Kind. Die Mutter möchte das Leben ihres Kindes verteidigen, aber die Wahlfreiheit wird zerstört, ebenso wie das Leben des Kindes.

So versuchten wir, eine Resolution im italienischen Parlament durchzubringen, und dies gelang - entgegen allen Erwartungen.

Frage: Erzielten Sie einen Konsens?

Antwort: Die „Pro Choice“-Abgeordneten stimmten zum größten Teil nicht für uns, obwohl einige bei uns mitmachten. Sie stimmten aber auch nicht gegen uns. Die Mehrheit enthielt sich, und das ist schon mal nicht schlecht.

Und jetzt haben wir eine weltweite Initiative gestartet, um dieses Problem in die UN-Vollversammlung zu bringen. Und indem wir das tun, hoffen wir, dass wir die „Pro-Choice“-Leute und die „Pro-Life“-Leute zusammenbringen können - dennoch möchte ich eines klarstellen: Niemand hat seine Grundsätze aufgegeben. Beide Seiten werden auch weiterhin den Kampf führen, was ihre speziellen Themen betrifft, aber zumindest in dem einen Punkt haben wir ein gemeinsames Anliegen.

Frage: Sie erwähnten eine weltweite Kampagne. Können Sie noch erklären, was Sie sich für das Europäische Parlament erhoffen, wo Carlo Casini einen ähnlichen Antrag einbringen will?

Antwort: Wir arbeiten gerade an einer Initiative im Europäischen Parlament, geführt von Carlo Casini zusammen mit Magdi Cristiano Allam. Und ebenso im Europarat, wo Luca Volonté, ein Mitglied meiner Partei, die Führung übernimmt. Ich war bereits in Polen und habe dort um Unterstützung beim Volk geworben, und ich plane weitere Reisen durch ganz Europa. Und wir werden zumindest eine wohlwollende Neutralität der USA suchen.

Frage: Im Hinblick auf die USA, wie wird da Ihr Engagement aussehen?

Antwort: Das weiß ich im Moment noch nicht. Wir wissen, dass es wichtig ist, positiven Kontakt zur Obama-Regierung zu suchen. Obama hat dem Heiligen Vater versprochen, er werde etwas unternehmen, um Abtreibung zu vermindern.

Anderseits weiß ich, dass in den USA ein Kampf um das Leben abläuft, und ich möchte nichts tun, was den Lebensrechtlern dort in diesem Kampf schaden könnte. So möchte ich auch mit ihnen sprechen und ihre Unterstützung gewinnen. Ich möchte ihnen von neuem versichern, dass wir nicht das Leben auch nur eines einzigen Kindes aufgeben. Wir machen keine Rechnung, bei der wir die Tötung einer bestimmten Anzahl ungeborener Kinder hinnehmen, um dafür die Leben von bestimmten anderen zu retten. Das ist ausdrücklich nicht, was wir tun, und wir geben keinesfalls unsere Grundsätze auf.

Frage: Wann werden Sie in die Vereinigten Staaten kommen?

Antwort: Ich weiß es momentan noch nicht. Ich werde mich im August mit einer Gruppe Freunden, darunter (die frühere Botschafterin beim Heiligen Stuhl) Mary Ann Glandon, in Italien treffen und mit ihnen besprechen, was das Beste ist.

Frage: Ist eine wirkliche Einigkeit möglich?

Antwort: Es gibt nur einen begrenzten Ausschnitt, wo wir, die Lebensrechtler, und sie, die Abtreibungsbefürworter, uns in einem Kampf vereinigen können - das ist da, wo die Wahlfreiheit der Frau vernichtet wird wie auch das Leben des Kindes. Ich meine nicht, dass wir echte Abtreibungsbefürworter irgendwie bestechen und überzeugen müssen, dass sie sich im Kampf uns anschließen. Wenn es wahr ist, wie sie behaupten, dass sie nicht primär für Abtreibung, sondern vorrangig für die Wahlfreiheit sind, dann haben sie jetzt die Chance, unserem Antrag zuzustimmen, um das zu beweisen.

Wenn sie nicht zustimmen, dann sind sie in Wahrheit nicht „für die Wahlfreiheit“ („pro-choice“), sondern „für Abtreibung“ („pro abortion“). Sie wollen Abtreibung. Sie meinen nicht, dass man menschliches Leben unterstützen, sondern dass man mit den erforderlichen Mitteln die Weltbevölkerung reduzieren müsse.
    
Diese Initiative zwingt also die Leute, sich zu entscheiden. Bis jetzt konnte das Etikett „pro choice“ als Deckmantel für eine nationalsozialistische Ideologie einer Ethik des „Rettungsboots“ fungieren: Weil es auf der Erde zu viele Menschen gibt, sind alle Mittel, um die Weltbevölkerung zu reduzieren, recht. Wir sehen ja auch, dass in den Dritte-Welt-Ländern Abtreibung viel grausamer und weiter verbreitet ist als in westlichen Ländern.

So werden wir also jetzt erfahren, ob Einigkeit möglich ist.

Frage: Wie Sie wissen, haben einige Lebensrechtler über diesen Ansatz der Einigkeit die Besorgnis geäußert, er könne denen in die Hand spielen, die die Lebensrechtsbewegung spalten wollen.

Antwort: Ja, ich habe eine Blasphemie begangen!

Frage: Welchen Eindruck haben Sie über solche Sorgen?

Antwort: Mein Eindruck ist: „Aber warum denn nicht?“ Ich verstehe, wenn jemand gegen einen Kompromiss ist, wo man anfängt zu sagen, einige Abtreibungen sind schlecht, während andere gut sind. Das wäre natürlich vollkommen inakzeptabel. Aber das wollen wir ja gar nicht.

Was geschehen wird, ist, dass im Hinblick auf einige Abtreibungen - jene, die zwangsweise geschehen - beide Seiten darin übereinkommen, dass diese als schlecht verurteilt werden. Im Hinblick auf alle übrigen Abtreibungen werden wir weiterhin sagen, dass auch diese schlecht sind, während die andere Seite sagen wird, sie seien akzeptabel. In dieser Weise haben wir früher gegeneinander gekämpft, und wir werden damit fortfahren.

Letztendlich, glaube ich, wird in den westlichen Ländern unsere Position gestärkt durch die Initiative zur Verurteilung der Zwangsabtreibung, denn es wird offensichtlicher, dass der Fötus kein Teil des Körpers der Frau ist, und es wird klar, dass Abtreibung ein moralisches Übel ist. Sie wird zwar nicht öffentlich verfolgt, aber sie ist ein moralisches Übel. In diesem Sinne, denke ich, stärkt das unsere Position, obwohl sich rein rechtlich nichts verändert.

Frage: Glauben Sie, es war ein „Fehler“ zu versuchen, das Leben des ungeborenen Kindes zu verteidigen, auch wenn die Mutter eine Abtreibung will, wie die Medien berichteten?

Antwort: In diesem Punkt wurde ich falsch zitiert, oder vielmehr, außerhalb des Kontextes, und dadurch entstand ein falscher Eindruck. Ich habe gesagt, es sei richtig, das Leben des Kindes zu verteidigen, sogar gegen die Mutter. Es ist richtig, aber sehr schwierig, vielleicht unmöglich. Wir müssen die Rechte des Kindes verteidigen, aber auch die Freiheit der Mutter stärken, indem wir den Frauen Alternativen geben, in der Zuversicht, dass, je freier die Frau ist, sie um so weniger wahrscheinlich den Tod ihres Kindes hinnehmen wird.

Frage: Aber war es ein „Fehler“, gegen die Straffreiheit für Abtreibung zu arbeiten?

Antwort: Meine Stellungnahme ist vereinfacht worden. Ich habe nicht gesagt, dass es falsch sei zu versuchen, die Rechte der Kinder durch die Anwendung des Strafgesetzes zu verteidigen. Das habe ich nicht gesagt. Das Leben des Kindes sollte verteidigt werden, mit allen Mitteln, die möglich sind. Mit Hilfe des Strafgesetzes? Ja, natürlich, auch mit Hilfe des Strafgesetzes, wo das möglich ist. Aber in Italien ist das heutzutage nicht möglich, und so müssen wir uns auf andere Mittel stützen. Wir müssen einsehen, dass wir keinen Konsens über ein Abtreibungsverbot haben.

Aber ein anderer Punkt ist, dass wir in der Vergangenheit zu sehr auf rechtliche Sanktionen vertraut haben. Das ist nur ein Element der Strategie zur Verteidigung des Lebens, aber nicht das einzige. Und ich wiederhole: Wenn wir nicht die Ursachen beseitigen, die so viele Frauen dazu führen, dass sie abtreiben, werden wir unseren Kampf gegen die Abtreibung nicht gewinnen. Wir werden diesen Kampf nicht gewinnen, wenn wir uns nur auf das Strafgesetz verlassen.

Frage: Was würden Sie den politischen Führern unserer Länder, besonders in Nord- und Südamerika sagen, wo es ja einen gewaltigen Druck gibt, ausgehend von UN-Behörden, von Nichtregierungsorganisationen, Abtreibung straffrei zu stellen? Wir haben erst kürzlich erlebt, dass beispielsweise Amnesty International das Land Nicaragua angegriffen hat, weil es in seinen Gesetzen das ungeborene Leben schützt...

Antwort: Ich würde denen sagen: Verteidigt eure Gesetze gegen Abtreibung, und ergänzt sie durch gute Politik zur Verteidigung der Mutterschaft, zur Unterstützung von Müttern, denn wenn ihr das nicht tut, wird früher oder später der Druck so stark werden, dass ihr geschlagen werdet. Aber wenn ihr sie ergänzt durch gute Gesetze für Mütter, werdet ihr es auch schaffen, eure Gesetze zu erhalten. Ihr könnt nicht die Unterstützung der Mutter und die Verteidigung des Lebens des Kindes durch das Strafgesetz gegeneinander ausspielen. Das sind zwei Teile einer Strategie, um das Leben zu verteidigen. Es ist immer besser, zwei Beine zu haben. Natürlich, wenn man nur eins hat, muss man lernen, mit dem einen klarzukommen. Das ist zwar nicht unmöglich, aber es ist auch nicht leicht.

Frage: Aber auch wenn man sich den Bedürfnissen der Mütter widmet - wird das die andere Seite davon abhalten, Druck wegen der Abtreibungsgesetze auszuüben? Sie sehen z. B. Nicaragua, wo die Gesetze zum Schutz des ungeborenen Lebens verschärft wurden, und gemäß den Statistiken des Gesundheitsministeriums sank dann auch die Müttersterblichkeitsrate. Trotzdem wurde gewaltiger Druck auf die Gesetzgeber des Landes ausgeübt, dass sie Abtreibung von Strafe freistellen.

Antwort: Bis zu einem gewissen Punkt werden wir immer angegriffen werden, weil es eine Lobby für Abtreibung gibt, die überhaupt nicht an der Wahlfreiheit der Frau interessiert ist, die sich wirklich nicht für Frauen interessiert. Sie sind in fanatischer Weise überzeugt, dass die Weltbevölkerung mit allen Mitteln reduziert werden müsse. Wenn sie das mit Kindstötung bewerkstelligen können, werden sie auch dafür sein. So müssen wir immer mit Angriffen rechnen.

Aber wir müssen auch positiv denken. Jedes Land sollte eine Strategie zur Verteidigung des Lebens entwerfen, die seinen eigenen besonderen Bedürfnissen entspricht. Wir geben nicht vor, dass Italien ein Modell sein sollte, weil wir wissen, dass zwar eine Strategie in Italien erfolgreich sein könnte, die sich auf vorsichtige Urteile als Antwort auf die politische Situation in unserem Land heute gründet. Das mag sich morgen wieder ändern, ebenso wie es heute Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern gibt. Wir müssen verstehen, dass der Kampf für das Leben sich den verschiedenen Kulturen und sozialpolitischen Situationen anpassen muss. In Italien, so hoffen wir, könnten wir in 10 oder 15 Jahren eine Pro-Life-Mehrheit haben, die wir heute nicht haben - wenn wir heute richtig handeln.

Wenn man also in einem Land lebt, wo die Mehrheit der Bevölkerung pro life ist, wird man seine Strategie entsprechend gestalten. Aber in Ländern, wo man in der Minderheit ist, muss man Bündnisse eingehen.
    
Das Ideal wäre, rechtlichen Schutz zur Verteidigung des Lebens des Kindes zu haben und zugleich eine gute Politik für die Mutter.

Frage: Angesichts der Unterschiede in jedem Land, ist es da geschickt, ein Netzwerk aufzubauen, das daran arbeitet, „Abtreibung zu reduzieren“, wenn das die Bemühungen zur Verteidigung des Lebens in bestimmten Ländern untergraben könnte?

Antwort: Natürlich brauchen wir ein Netzwerk, aber was wir innerhalb des Netzwerks tun, unterscheidet sich von dem, was wir in unseren eigenen Ländern tun können. Wenn ich also von einem Netzwerk spreche, denke ich an die Bemühungen, in Kairo und Peking Bündnisse zu bilden, wo man untereinander verbunden sein musste, um miteinander effektiv auf Weltebene kämpfen zu können. Der Kampf für das Leben hat also zwei Ebenen, eine lokale, und eine andere globale. Einerseits braucht man eine lokale Strategie, aber man muss auch daran denken, dass die Frage der Abtreibung zu denen gehört, die die ganze Menschheit berühren.

Frage: Der frühere Papst Johannes Paul II. war ein enger persönlicher Freund von Ihnen. Haben Sie und er jemals über die Spannung zwischen Pragmatismus und Prinzip beim Versuch, eine Kultur des Lebens aufzubauen, gesprochen?

Antwort: Ja, natürlich. Man kann nie eine Position unterstützen, die in sich (intrinsisch) übel ist. Man kann nicht für ein Gesetz stimmen, das das Leben auch nur eines einzigen Kindes opfern würde. Man kann ein Gesetz unterstützen, das das Leben einiger Kinder schützt, auch wenn sich der Schutz nicht auf alle erstreckt. Man rettet die, die man retten kann, aber man gibt keinerlei Zustimmung zum Tod jener, die man nicht retten kann. In unserer Situation in Italien gibt es dafür ein konkretes Beispiel: Einige Abtreibungsbefürworter wären bereit gewesen, für unsere Resolution zu stimmen, wenn wir gesagt hätten, wir wollen, dass die Vereinten Nationen zwangsweise Abtreibungen verurteilen, aber nicht-zwangsweise Abtreibungen unterstützen. Da haben wir gesagt: Das können wir nicht. Und so haben sie nicht dafür gestimmt, sondern sich einfach enthalten.

Frage: Um noch einmal auf die Frage der Einigkeit mit der Obama-Regierung zurückzukommen - meinen Sie, dass Sie genug getan haben, um die Besorgnisse der Lebensrechtler in den USA zu beschwichtigen, dass sie nicht im Stich gelassen werden?

Antwort: Es ist wichtig, das klarzustellen, denn ich weiß, dass in der Presse leicht versucht werden kann, die Einheit der Lebensrechtsbewegung aufzubrechen. Natürlich möchte ich in freundlicher Weise mit der Obama-Regierung sprechen - ich weiß, das klingt für viele Lebensrechtler in den USA wie Blasphemie! Aber andererseits möchte ich von amerikanischen Lebensrechtlern verstanden werden, und ich möchte die Einheit unserer gemeinsamen Front nicht zerbrechen.

Ehrlicherweise sollten amerikanische Lebensrechtler verstehen, dass sie als US-Bürger in ihrem Land Redefreiheit haben, und sie haben das Recht, Dinge zu sagen, die ein Ausländer lieber nicht sagen sollte, schon gar nicht ein Ausländer, der in einem anderen Land Politiker ist und der die Unterstützung der Regierung der Vereinigten Staaten für eine wichtige Pro-Life-Initiative bei der UN-Vollversammlung gewinnen will.

Frage: Dann vermute ich, dass Sie nicht bereit sein werden, auf die Frage zu antworten, ob Sie glauben, dass Präsident Obama wirklich die Zahl der Abtreibungen reduzieren will...

Antwort: Ich kann so antworten: Das kann ich nur hoffen.

(Übersetzung: Doris Legat)